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Erez Israel, meine Leidenschaft

- Ein Gastbeitrag von Aron Kamphausen -
 
Wie auch ich erlebten die meisten Israelliebhaber die erste Begegnung mit dem Heiligen Land über eine Rundreise. Acht Tage Israel im Schnelldurchlauf, angefüllt mit Emotionen, neuen Erfahrungen und einer keimenden Leidenschaft für diese kleine Demokratie am Rande Asiens warteten auf mich.
4000 Jahre Religions- und Menschheitsgeschichte komprimiert auf knapp 7000 Quadratkilometer atemberaubender Landschaft, flogen im Zeitraffertempo an mir vorbei. Ich infizierte mich am Virus „Faszination Israel“. Dieses Land schreit danach mit all meinen Sinnen, behutsam und zugleich intensiv erlebt zu werden!
 

Anreise

Nur 12 Monate später landete ein Flugzeug mit mir und vielen Erwartungen an Bord in Tel Aviv. Aufgeregt wie vor einem Rendezvous, folgten die Füße dem scheinbar nicht endenden Weg zur Passkontrolle. Kritisch beäugte mich die Geliebte „Israel“ in Person einer Grenzpolizistin. Nach 5 Minuten Befragung öffnete sich für mich die Tür in das Heilige Land.
Erwartungsvoll streiften meine Blicke durch die menschenerfüllte Ankunftshalle des Flughafen Ben Gurion. Kein Reiseleiter erwartete mich!
Wie finde ich mich nur zurecht?
Hebräisch ist für mich die Superlative einer Fremdsprache und Englisch, ein Fall für den Spachsachverständigen. Der bin ich nicht!
 
Durch Piktogramme und mit dem Rest eines verschütteten englischen Sprachschatzes fand ich den Schalter der Mietwagenverleiher. 20 Minuten später erklärte mir eine sympathische deutsche Stimme aus dem Navi den Weg nach En Gedi. Meinem Domizil für die nächsten 14 Tage am Toten Meer.
 

En Gedi eine Oase am Toten Meer

 
Endlich am Zielort, aber noch nicht richtig angekommen, meldeten sich Erschöpfung und Hunger bei mir. Großzügig baute ich Berge aus Salat, Humus und Lammfleisch auf den größten Teller, den ich im Getümmel des Speisesaales fand. Die israelische Küche ist so abwechslungsreich wie das Land selbst. Das Abendbrotbuffet des Kibbuze Hotels ließ erahnen, was mich in den nächsten Tagen erwartete, eine bunte Mischung aus allen Ländern Europas, angereichert mit den besten Zutaten Arabiens und dargeboten nach den Gesetzen der Tora.
Angekommen auf der Terrasse des Appartements verlangte mein Körper nur noch nach Erholung, 20 Stunden waren es her, dass mich der Wecker in dem schneebedeckten Harzörtchen Quedlinburg aus dem Schlaf riss. Müde fiel ich in den harten Holzstuhl und erfasste die Weiten der durch den Mondschein erleuchteten Wüstenlandschaft! Israel, ich war angekommen!



 


Am Toten Meer

 
Schakuschka, ein Tohuwabohu aus in Olivenöl angedünsteten Knoblauchzehen, Zwibeln, Tomaten und Paprika, versehen mit einer Handvoll erlesener Gewürze und mit Spiegeleiern gekrönt. Dazu ein starker Kaffee, bilden meine morgendliche Grundlage für einen erlebnissreichen Tag.
Stündlich fährt ein Busshuttle vom Kibuzze in den 10 Minuten entfernten Sparbereich am Toten Meer. Für Hotelgäste ist der Eintritt frei.
 Mit einem leichten Geruch von faulen Eiern wirbt die heiße Schwefelquelle in der Nähe des Eingangs um Besucher. Salzige Schlammpackungen, ein großer Swimmingpool und Sonnenbänke laden zum Verweilen ein. Mich aber brachte ein Trecker mit Anhängern im Eisenbahnlook direkt zum Ufer des Toten Meeres!
 
Hier, 428 m unter dem Meeresspiegel umgeben von einer irrationalen Schönheit der Unvergänglichkeit, ließ die konservierende Wirkung des Salzes alles Leben zu Stein erstarren!
Schwerelos schwebte mein Körper, getragen von der hohen Dichte des Wassers, auf den Wellen des biblischen Salzmeeres. Stundenlang lief ich an dem Ufer des Sees entlang, immer wieder fasziniert von der Schöpfungsvielfalt der salzenden Monumente, die mich jeden Meter mit neuen Formationen überwältigten.


 

Sonnengerötet, marschierte ich die 2 km vom Salzstrand bis zur Haltestelle des Hotelshuttles. Morgen früh wird mich die Wüste erstmalig mit ihrem heißen Atem empfangen, nicht ahnend, dass ich Jahre später diesem Charme erliege und den gesamten Negev ohne fremde Hilfe autark durchwandere.

 
In der Wüste

 
En Gedi liegt in Judäa an der Grenze zwischen alttestamentarischem und neutestamentarischem Land. Hier wirkten sowohl Abraham als auch Jesus, das nahegelegne Qumran, legt überzeugenden Beweis dafür ab. In einen der zahlreichen Höhlen stieß David auf König Saul. (1.Samuel Kapitel 24).
 
Drei Liter Wasser passten in den leichten Tagesrucksack. Bewaffnet mit Fotoapparat und Basecap begann meine erste Wüstenwanderung.
Am Eingang des Nationalparks En Gedi begleitete mich der trockene Flußlauf des Nahal Argot in die Tiefe des von ihm geschaffenen Tales, seitlich eingeengt von Gebirgsmassiven, die sich bis zu 600 Metern hoch, dem Himmel entgegenstreckten. 
Schon nach knapp einem Kilometer füllte sich das Bett des Flusses mit Wasser. Immer wieder entstanden so kleine Seen aus klarem Gebirgswasser, welches sich vom Hochplateau seinen Weg in die Tiefen des Jordantals suchte. Ein Wasserfall, dessen Rauschen sich schon aus der Ferne ankündigte, stand im Kontrast zur argen Wüstenlandschaft. Ich kann nicht widerstehen und lasse den harten Strahl des Wassers auf mich herabfallen. Nach knapp vier Kilometern endete der Flusslauf in einem von Bergen gebildeten und mit Quellwasser gefüllten Kessel. Schwimmen und Baden sind hier kein Problem in Mitten der Wüste Judäa.
Nach 7,1 km war die Wanderung beendet und eine neue Freundschaft, die über Jahre anhalten sollte, nahm ihren Anfang. Die Wüste und ich, das wird was richtig Gutes!


 


Wintersport in Israel

 
Emotionslos führte mich mein GPS Gerät zu dem 236 km entfernten und über 2000 Meter hohem Hermon Gebirge. Wie verrückt ist ein Harzer, der in Israel Ski fahren möchte? Ein wenig, aber das Land wollte von mir in all seinen Facetten erlebt werden und der Hermon als höchster Berg Israels gehörte ohne Zweifel zu den, von ausländischen Touristen wenig besuchten Zielen. Alleine aus diesem Grund musste ich ihn erleben. Langsam kroch mein kleiner Nissan die Serpentinen des Gebirgszuges hoch, vereinzelt eroberte das Weiß des Schnees die Landschaft, ein großer weißer Schneemann diente als Wegweiser zu einem völlig schneebedeckten Wintersportgebiet. Eislaufbahnen, Skilifts, Schlittenhänge, nein nicht in Bayern, Österreich oder der Schweiz, sondern in Mitten von Israel liegt diese wundervolle Winterlandschaft.  Für mich kaum fassbar breitet sich das Gebiet vor mir aus, ich genoss jede Schneeflocke in vollen Zügen und erfreute mich an den jüdischen und arabischen Kindern, die vielleicht das erstemal in ihrem Leben Schnee sahen! 
 
Insgesamt drei Tage sollte die Tour im Norden dauern. Mit der allgegenwärtigen Internetversorgung konnte ein Hotel in Metulla gebucht werden. Von hier aus erkundete ich die Berge und Täler noch unbewissend, dass diese Landschaft acht Jahre später, Ziel meiner 1000 km Wanderung auf dem Israel National Trail sein wird.


 


Baden in Eilad

 
Eingetaucht in die Anonymität des israelischen Straßenverkehrs, berechnete das Navi eine Fahrtzeit von über sechs Stunden für die gut 400 km. Die vom Schnee noch feuchten Handschuhe lagen hinter mir auf der Rückbank. Die Klimaanlage füllte den Innenraum des Autos mit ihrer angenehmen Wärme. Langsam verflüssigte sich die Eisschicht auf der Frontscheibe. Sechs Stunden später lag ich bei 30 Grad in der heißen Mittagssonne am Roten Meer und verfolgte das Treiben der Sonnensüchtigen am Korallenstrand. Das ist also Eilad, das Mallorca von Israel, mit seinen Bars und Diskotheken, seinen Restaurants, Promenaden und den allgegenwärtigen Tauchsportzentren. Es ist aber auch ein Ort der Stille, der südliche Beginn der israelischen Wüste Negev, einer Landschaft die ihresgleichen sucht, dem Geburtsort der drei abrahamitischen Religionen.


 

 

Unter Israelabenteurer.de betreibe ich einen . Hier schreibe ich über meine Wanderungen durch die Wüsten Negev und Judäa und auf dem Israel National Trail.
 

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