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Backpacken und Freiwilligenarbeit in Kenia

 
Nachdem ich 2011/ 2012 in Kenia für ein Jahr einen Freiwilligendienst absolvierte hat mich das Land und dessen Menschen nicht mehr losgelassen. Für mich war klar, ich werde wiederkommen!



Im August 2015 war es dann soweit. Vom Flughafen Hannover ging es mit Zwischenstopp in Istanbul innerhalb von etwa 16 Stunden in die Hauptstadt Nairobi, wo meine fünfwöchige Reise von Kenia nach Rwanda beginnen sollte.
Ich hatte mir zuvor viele Gedanken, aber keinen konkreten Reiseplan gemacht. Bei einem solchen Reiseziel stößt man einerseits auf Interesse und Zuspruch, andererseits auf Bedenken und Zweifel, vor allem wenn man als Frau allein unterwegs ist. Ich möchte an dieser Stelle gerne vorweg nehmen, dass ich es immer und immer wieder machen würde.
Ich bin Backpackerin und für mich zählt vor allem mit wenig Geld möglichst viel unterwegs zu sein, viel zu sehen, viel zu erleben und mich unter die Einheimischen zu mischen. Reiner Strand- und Safariurlaub ist nichts für mich, auch wenn vor allem Kenia dafür bekannt und gut geeignet ist.
Obwohl ich bereits ein Jahr in Kenia gelebt hatte, brauchte ich etwa eine Woche um mich wieder an Land und Leute zu gewöhnen. Als Reisender fällt man in Kenia immer auf und wird häufig angesprochen - ganz anders als die Anonymität in Deutschland.


Courtesy of www.AirPano.com




Mein erster Aufenthaltsort, die Hauptstadt Nairobi,  gehört nicht unbedingt zu meinen Lieblingsstädten, bietet allerdings viele touristische Ziele. Während die Nairobi Orphanage eher an einen Zoo erinnert und daher meiner Meinung nach eher nicht zu empfehlen ist, gibt es eine große Markthalle mit Maasai- Schmuck, frischen Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse. Hier tummeln sich viele Einheimische, die vor allem in der heutigen Zeit auf den Tourismus angewiesen sind. Sehenswert ist meiner Ansicht nach außerdem das Giraffe Center und das David Sheldrick Wildlife Trust, eine NGO in Nairobi, welche sich vor allem um verwaiste Elefanten und Nashörner kümmert.
Von Nairobi aus ging es dann in das etwa 30km entfernte Kiserian, ein kleines Dorf im Westen Kenias. Das Dorf an sich ist nicht unbedingt einen Besuch wert, allerdings kommt man von dort aus mit dem Matatu (kenianisches Haupttransportmittel, Minibus) innerhalb von 10 Minuten zum Corner Baridi (dt. Kalte Ecke). Hier kann man die unendliche Weite des Rift Valleys ungestört genießen und über die Ngong Hills in die benachbarte Stadt Ngong wandern. Die Wanderung dauert etwa 4-5 Stunden und man sollte über eine gewisse Grundfitness verfügen, da man dabei sieben Hügel auf Pfaden hinauf und wieder hinunter klettert. Die Ruhe und die Aussicht sind aber auf jeden Fall jede Anstrengung wert! Von Ngong aus kommt man auch ohne Probleme wieder zurück nach Nairobi. Für einen Tagesausflug also sehr zu empfehlen!




Von Nairobi ging es für mich mit dem Zug dann weiter nach Mombasa, die schöne Hafenstadt Kenias. Die Zugfahrt dauert im Normalfall etwa 15 Stunden und ist nur über Nacht möglich. Dabei unterscheidet man zwischen erster, zweiter und dritter Klasse. Ich habe mich bereits das zweite Mal für die zweite Klasse entschieden. Für etwa 30 Euro inklusive Bettwäsche und Frühstück übernachtet man in einem geschlechtergetrennten Abteil mit vier Stockbetten und einem kleinen Tisch, welcher als Waschbecken umfunktioniert werden kann. Dieser Zug entspricht nicht den europäischen Standards und erinnert an eine bereits vergangene Zeit. Doch gerade deshalb würde ich jedem einmal die Fahrt mit Kenia Railways empfehlen. Es ist nicht nur eine Zugfahrt, sondern ein ganz spezielles Erlebnis mit einem wundervollen Ambiente. Zudem fährt man u.a. durch den Tsavo National Park und kann die Landschaft während der Fahrt bewundern. Allerdings sollte man als Reisender Zeit und Geduld mitbringen, in meinem Fall hatte der Zug Verspätung, sodass ich statt 15 Stunden 24 Stunden unterwegs war. Alternativen zum Zug wäre die Nutzung zahlreicher Busunternehmen, welche ebenfalls über Nacht fahren und etwa 8 Stunden brauchen oder ein Inlandsflug.



Mombasa an sich begeistert mich immer wieder aufs Neue. Die Stadt ist multikulturell geprägt, verfügt über eine bezaubernde Altstadt, einen großen Gewürz-, Obst- und Gemüsemarkt und die Biashara Straße lädt zum Kaufen von bunten Tüchern, perlenbestickten Flip Flops und traditioneller Kleidung ein. Bekannte Sehenswürdigkeiten sind des Weiteren die Tusks und das Fort Jesus, eine portugiesische Festung welche den Portugiesen im 16. Jahrhundert als Basis auf dem Seeweg nach Indien diente. Mittlerweile kostet der Eintritt  12 Euro und ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Darüber hinaus verfügt Mombasa über wunderschöne Strände die zum Schwimmen, Schnorcheln, Tauchen und diversen Wassersport einladen. Besonders empfehlen möchte ich an dieser Stelle die Bombolulu Workshops. Hier erhalten Menschen mit Beeinträchtigungen die Möglichkeit sich durch die Herstellung von Souvenirs ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Als Besucher kann man zum einen die verschiedenen Werkstätten besichtigen und zum anderen handgemachte und wunderschöne Souvenirs erstehen, dessen Erlös einem einzigartigen und guten gemeinnützigen Projekt zu Gute kommt.

Von Mombasa aus ging es für mich mit dem Bus weiter nach Watamu. Die kleine  Küstenstadt ist wesentlich ruhiger als Mombasa und verfügt meiner Meinung nach über einen der schönsten Stände Kenias. Das Watamu Marine National Reserve bietet beste Voraussetzungen zum Tauchen und Schnorcheln und ist des Weiteren nur 30km von der ebenfalls schönen Küstenstadt Malindi und dem großen Malindi Marine National Park entfernt. Wenn ich mich entscheiden müsste würde ich allerdings, Watamu dem italienisch geprägten und sehr touristischen Malindi vorziehen.



Von Watamu aus ging es für mich mit dem Bus weiter zu meinem persönlichen Paradies – die Insel Lamu. Die kleine Insel im indischen Ozean bildet mit den Inseln Manda und Pate das Lamu- Archipel und ist nur 120-800m vom Festland entfernt. Der Besuch des muslimisch geprägten Lamus fühlt sich an wie eine Zeitreise und die Menschen sind überaus hilfsbereit und gastfreundlich. Lamu Town ist seit 2001 ein UNESCO- Weltkulturerbe und hat diese Auszeichnung meiner Meinung nach zu 100% verdient. Die Stadt besteht aus vielen kleinen, weißen Flachdachhäusern die teilweise von Blumen umrankt sind. Kleine Gassen und offene Abwasserkanäle schlängeln sich durch die Stadt und bilden ein kleines Labyrinth in dem man sich zunächst erstmal zu Recht finden muss. Speisen kann man hier sehr traditionell und vor allem Fischliebhaber kommen hier auf ihre Kosten.  Lamu verfügt nur über eine befahrbare Hauptverkehrsstraße, alle anderen Straßen dürfen nur zu Fuß oder per Esel erkundet werden. Sehenswürdigkeiten sind das Lamu Museum, die Fort Lamu und die Donkey Sanctuary (Eselheim). Zudem verfügt Lamu über den, meiner Meinung nach,  schönsten Strand Kenias. Shela zeichnet sich durch makellosen weißen Sand, hohe Dünen und tiefes blaues Wasser aus. Hier kann man ganz in Ruhe die Seele baumeln lassen, ohne sich von Beachboys gestört zu fühlen. Des Weiteren können traditionelle Dhow- Fahrten mit erfahrenen Fischern inklusive Picknick oder und Camping unternommen werden. Besonders begeistert war ich von einer Kanutour entlang der Mangroven- Wälder zu den Takwa Ruinen auf der Insel Manda. Hin- und Rückfahrt dauern ungefähr 3 Stunden und kosten mit Guide und Ausrüstung pro Person etwa 15 Euro. Darüber hinaus besitzt Manda einen schönen Strand mit vielen kleinen Krebsen und einem tollen Wellengang zum „Wellenhüpfen“, was für den indischen Ozean recht selten ist. Weitere Aktivitäten wären zudem der Besuch des Fischerdorfes  Matondoni, welches für die Herstellung der Dhows und traditioneller Flechtkunst bekannt ist. Darüber hinaus werden Eselritte, Kochkurse und Wanderungen angeboten und auch der Besuch einer schwimmenden Bar zwischen Lamu und Manda ist eine interessante Erfahrung.



Nach dieser Küstentour ging es für mich zurück in den Westen Kenias. Ungefähr 2 Stunden von Nairobi entfernt erreicht man die Stadt Naivasha. Naivasha zeichnet sich vor allem durch den großen Lake Naivasha aus, welche zu Bootstouren einlädt, bei welchen man Nilpferde, Flamingos und Reiher aus nächster Nähe beobachten kann. Auf dem See befindet sich zudem Crescent Island, auf welcher viele verschiedene Vogelarten beobachtet werden können und auch das Crater Lake Game Sanctuary in der Nähe des Dorfes Kongoni ist einen Besuch wert. Zudem befindet sich direkt am See noch das Elsamere Conservation Centre. Der einstige Wohnsitz von Joy und George Adamson ist nun eine Forschungsstation mit integriertem Museum. Dort kann man bei leckerem Kuchen und Tee die vielen Mantelaffen beobachten, sich über den Film „Born Free“  und Elsa die Löwin informieren und Bootstouren unternehmen. Meine absoluten Highlights in Naivasha sind allerdings der Hells’s Gate National Park und der Mount Longonot. Der Hell’s Gate National Park ist der einzige 
Park Kenias welcher mit dem Fahrrad oder Motorrad erkundet werden kann und kostet etwa 30 Euro Eintritt. Hier können Giraffen, Zebras, Büffel, Paviane, Antilopen, Gazellen und  Wildschweine in freier Wildbahn beobachtet werden. Außerdem besitzt der Park eine Schlucht mit Geysiren, welche ebenfalls erkundet werden kann und die vulkanische Säule Fischer’s Tower kann auch als Kletteranfänger erklommen werden.   
Der Mount Longonot ist ein Schichtvulkan, welcher sich im 52km^2 großen Mt. Longonot National Park befindet und von Naivasha aus schnell zu erreichen ist. Der Parkeintritt liegt ebenfalls bei rund 30 Euro und der Start der Wanderung ist bereits in den frühen Morgenstunden zu empfehlen. Zu dieser Zeit kann man die Wanderung noch ganz ungestört genießen und hat die Möglichkeit auf dem Weg zum Krater Giraffen und Zebras zu beobachten. Zunächst läuft man auf gut begehbaren Pfaden etwa 1 Stunde hinauf zum Kraterrand, welche in den frühen Morgenstunden noch von Wolken umgeben ist. Es ist atemberaubend schön und unglaublich friedlich, weshalb ich den Besuch in großen Gruppen eher vermeiden würde. Der 7km lange Krater kann innerhalb von 4-5 Stunden umrundet werden und bietet einen grandiosen Blick auf die Natur und die langsam verschwindenden Nebelschwaden. Der höchste Punkt liegt bei 2780m, weshalb auch bei dieser Wanderung eine Grundfitness vorhanden sein sollte.



Von Naivasha aus ging es für mich weiter nach Kakamega, zum Kakamega Regenwald. Der Kakamega Regenwald ist der einzige tropische Regenwald in Kenia und heute nur noch etwa 23.000 ha groß. Der Eintritt liegt auch hier bei etwa 30 Euro und ich würde im Nachhinein zudem einen Guide empfehlen. Ich war gemeinsam mit einem kenianischen Freund unterwegs, was auch sehr gut funktioniert hat, allerdings sind die Wege nur mangelhaft ausgeschildert und gepflegt, sodass man mit einem Guide die Gefahr umgeht sich im Dickicht zu verirren.  Außerdem können die Guides Hintergrundinformationen bezüglich der verschiedenen Pflanzen-, Affen- und Vogelarten liefern und mit Rat und Tat zur Seite stehen. Wir haben uns für die Route zu dem Isiukhu Wasserfall entschieden und sind dann entlang des Flusses zum Parkeingang zurück gewandert. Meiner Meinung nach einem sehr schönen Tagesausflug, welcher sich jedoch vor allem mit Guide lohnt. Von Kakamega aus ging meine Reise weiter nach Uganda, wovon ich in einem extra Schreiben berichten werde. Generell möchte ich zum Reisen in Kenia noch anmerken, dass man sich ruhig trauen sollte die öffentlichen Verkehrsmittel wie Matatus und Motorräder zu nutzen. Man lernt das Land viel besser kennen, wenn man auf ein wenig Luxus verzichtet und sich unter die Leute mischt. Zudem ist das Essen in den Lokalen sehr gut und vor allem günstig. Traditionelle Speisen wie Ugali, Sukuma Wiki, Chapati, Stew, Matoke und Pilau sind fast überall zu bekommen und eine Kostprobe wert.



Wer dennoch nicht auf europäische Artikel verzichten möchte sollte sich die Supermarktketten Nakumatt, Tuskys und Naivas merken. Hier findet man alles was das Herz begehrt, Notfallpakete aus Deutschland sind nicht notwendig und nehmen nur unnötig viel Platz weg.

Kenia gehört mittlerweile zu einem der aufstrebendsten Länder Afrikas und wenn man sich dort mit Herz und Verstand fortbewegt, sollte man sich auch nicht um die eigene Sicherheit sorgen müssen. 

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Ann-Kristin Stautmeister
 
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