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Merzouga - Mein Trip in die Wüste

 

Den Berg hoch ging es ja noch, aber immer wenn es Abwärts ging  ... - Oh mein Gott.


Mein Traum wurde wahr, denn nun befanden wir uns in einem 4x4 Jeep auf dem Dach vom Atlasgebirge in Marokko und peilten das Ziel Merzouga, naheliegend zur Erg Chebbi-Wüste, an. 
Die Fahrt in Höhe von 1800 - 2200 Metern lässt den Blutdruck steigen, die Luft wird dünner und die Hand klammert sich dementsprechend fest an die Griffe des Autos. Sagenhafte Aussichten, Schluchten, einsame Berber-Bergdörfer und kleine Shops waren entlang unserer Strecke. In den Lädchen und Ständen am Straßenrand wurden Arganöle, Schmuck aber auch Fossilien und Mineralien angeboten. Hier sei aber Vorsicht geboten, denn die meisten Gesteine sind Fälschungen, obwohl der Atlas als Fundort für seltene Mineralien bekannt ist. Die Stücke werden gefärbt und als teure Bergkristalle angeboten.












Nachdem wir Dades Gorges und den Tizi-n-Tichka Atlas Pass hinter uns ließen, besuchten wir gegen Mittag das Weltkulturerbe Ait Ben Haddou und Übernachteten in der Nähe von Zagora. Das Hotel sah Klasse aus und grad dort passierte es ..... der Salat war es - der den Magen sowie meinen Darm für die nächsten Tage in Aufruhr versetzte. Wir kommen drauf aber noch zurück, wenn ich auf dem Kamel sitze. :-).




Auf halber Strecke nach Merzouga durchquerten wir karges Gebiet, was von kleinen Bergformationen umschlossen und Kilometer für Kilometer lebloser, leiser und weniger besiedelt war. Ab und zu erspähten wir eine kleine Palmenoase und erreichten zur Mittagszeit Alnif und später dann Erfoud. 




In den dortigen Shops, beider Städte, bestaunten wir seltene Trilobiten (Fossilien), Ammoniten und andere Mineralgesteine. Wer Haie mag, kann in der Marokkowüste Fundstück von deren Zähnen (Megalodon) ergattern. Das Fossilienvorkommen in der Wüste ist sehr hoch, so das auch Touren zum persönlichem Suchen und Sammeln angeboten werden. Die Trilobiten werden in aller Regel mit Hammer und Meißel präpariert, jedoch findet man selten gute Stücke. Jedoch ganz klar - es gibt sie hier - man muss diese nur gut suchen. Die wunderschöne Exemplare der Steinzeitfunde haben aber auch ihren Preis, wo die Stücke schon mal in die tausende von Euros gehen können. 

Außerhalb der Stadt freute ich mich sehr als der Fahrer einen Stopp einlegte, um mit uns auf Expedition zu gehen. Mitten im Nichts, im Niemandsland nahm er unser letztes Wasser und vergoss es auf große Gesteinsplatten. Skeptisch blickte ich drein was er da wohl macht, bei genauerem Hinschauen jedoch traten nun die Abdrücke der Fossilien hervortraten. Nun war ich endgültig im Element und machte mich auf die Suche nach meinem eigenen Urzeit-Andenken. Wunderbar, Halleluja 15 Minuten später hielt ich einen kleinen Abdruck von einem damaligen "Krabbeltier" in meiner Hand. 


   

Mit einem großen Grinsen auf meiner Wange, Zwecks des archäologischen Fundes erreichten wir Merzouga. Vor unseren Augen taten sich nun die Dünen von Erg Chebbi auf. Die Ergs sind durch Winde geformte Dünenlandschaften, die nicht selten eine Höhe von 150 m erreichen. Der Erg verläuft ganze 22 km von Norden nach Süden und 5 km von Osten nach Westen.
Hier befinden wir uns nun 30 km vor der algerischen Grenze und kehrten bei unserem Guide in der Lobby seines Hauses ein. Nach einem Tee und ein paar Nüsschen, fanden sich alle "Touristennomaden" ein, welche der gleiche Wunsch des Wüstenwanderns verband.

"Es geht los, kommen Sie" ruft es draußen vor der Tür und die Gruppe bewegte sich schnellen Schrittes, angetrieben von den Kameltreiben, zu ihren Tieren.
Mein neuer Freund - das Kamel - war ein ruhiger Geselle mit Namen "Omar Sharif".
Grad wollte ich aufsatteln, da schrie es nochmals: "Stop - That s not good" und mir wurde gesagt, dass Omar nicht meinen Trekkingrucksack tragen könnte. "Mehr Gewicht an ein und derselben Stelle am Sattel wäre O.k., aber eben nicht verteilt am Körper" - sagte Hassan.





















Ein bissel verwundert dreinschauend, spannte ich mir den "Sack"  auf  und nun hatte mein
neugewonnener alter Freund und ich gut zu tragen.  Die Frage die offen bleibt, auch wenn wir beide ein gutes Team bildeten, für wen würde die Tour wohl angenehmer sein? Omar`s Gesichtsausdruck war jedoch die ganze Zeit über wesentlich entspannter als meiner. 





Zwischen den Höckern nach den ersten Metern dachte ich, brauchen wir wirklich zu viel Zeug für eine Nacht? Aber wer kann schon wissen, ob 4 Liter Wasser, viel warme Kleidung und Kosmetik im Camp benötigt werden?  Meine Freundin fand es jedenfalls gut, dass wir alles mit dabei hatten :-). Na dann - dann freut`s mich ja auch! - zwinker

Gleichzeitig entschwanden meine Gedanken in Vorstellung über das Wüstenleben, wo es nun Schritt für Schritt ruhiger wurde und die Faszination der Einöde auf uns wirkte.
Gestört wurden meine Tagträume nur, wenn Hassan (unser Guide) Omar antrieb, wir den Hügel abwärts liefen, der Sattel mehr und mehr ins Sitzfleisch drückte oder ich meinen mich ärgernden Magen verspürte. Oh mein Gott - je länger die Tour dauerte, desto mehr Hüpfte mein Verdauungsorgan hin und her und gluckerte vor sich hin, so dass das Kamel auch schon mal fragend zu mir hoch schaute, so als ob denn alles o.k. sei? Der oben bereits erwähnte Hotel-Salat kreuchte & fläuche bei diesen Seegangsbewegungen in mir hindurch - und der Wunsch nach einer Wüstentoilette mit frischen Toilettenpapier stieg stetig an. Aber hier im "Sandland" gibt es außer Wunschvorstellung - sogenannte Fata Morgana`s - nix und somit war Aushalten bis zum Camp angesagt. 

Während unseres Rittes bildete die Natur ein faszinierendes Schauspiel, wo das wechselnde Farbenspiel von orange, rot bis rosa die weitläufigen Dünen im Sonnenuntergang ummantelt. Danke lieber Gott für all das, was Du mich erleben lässt, auch wenn es hier und dort mal zwickt & drückt. :-) 








In der Dunkelheit erreichte die Karawane nun das Camp, wo alle Vorbereitungen zur Essensaufnahme schon getroffen wurden. Im Wüstenzelt bezogen wir unser Bettlager, was aus einer Matratze und dicken Decken bestand. Ich war ein bissel angeschlagen und macht ein kleines Nickerchen, wobei meine Freundin nun eine Tajine aß. Gestärkt trafen sich später alle tapferen Kamelreiter ums Feuer herum und ließen den Abend singend, tanzend und Sterneschauend ausklingen. 





Vor dem Schlafengehen krakselten wir in völliger Dunkelheit barfuß auf eine der naheliegenden Düne und spürten die außergewöhnliche Ruhe jenes Ortes. Die Sternschnuppen umflogen uns, es war ein unbeschreiblich schönes Gefühl hier zu sein, zu sitzen und dem Nichts zu lauschen.

Einfach wunderbar!

Nach diesen Glücksmomenten, schliefen wir fest und gut ein. Gegen 5 Uhr klingelte der Wecker und der Schlafsand in unseren Augen kam dem der Wüste gleich. Aber was solls, 20 Minuten später befand ich mich auf dem Rücken von Omar Sharif, wo unsere Tour dem Ende zu ging. Gemütlichen Ganges, auf und ab wippend und später wieder die Muskeln am Gesäß spürend, erstrahlte die Wüste zur frühen Morgenstunde im schönsten Lichte. Wegen dem herrlichen Panorama und mal froh zu sein vom Kamel abzusteigen, legten wir einen kleinen Fotostopp ein, um diesen Moment festzuhalten:





Nach der Pause erreichten wir nach weiteren 40 Minuten Merzouga. Im Gästehaus angekommen, stärkten wir uns bei einem Frühstück und ließen die letzten Stunden, zusammen mit den anderen Tourenmitgliedern, nochmals Revue passieren.  

Ich,  der "Lawrence von Arabien", war glücklich und zufrieden !  

Unsere Reise führte uns weiter in nord-westliche Richtung, zu einem wunderbaren Aussichtspunkt über die Oasenstadt - Tinghir. Hier durften wir einen reiselustigen Marokkaner begegnen, der uns am Ausbau seines Hotels teilhaben ließ und zur Erfrischung Eintritt in sein kleines-  aber einzigartiges Bad gewährte.





Wir genossen die Aussicht auf Tinghir und trennten uns nur schweren Herzens von diesem Ort.  Entlang der Todra (einer der wichtigsten Flüsse des südlichen Marokkos) erreichten wir die Todra Schlucht (Todra Gorge).  Eine einzigartige Felsenlandschaft erhebte sich vor uns, in deren Mitte sich die Todra durchschlängelt. Der Himmel ist in der Schlucht nur schwer zu finden, mit ganz überstrecktem Kopf ist es jedoch möglich, da die Gesteinswände so massiv und groß von uns wahrgenommen werden. Nach einigen Metern beleben wir unsere Füße in dem kühlen Gebirgsfluss und entdecken, dass die Bauten und die Bewohner zwischen den Felsmassiven lebensgefährlich wohnen, da immer wieder mal Steinbrocken herunterstürzen.

Die marokkanische Felsenlandschaft ist sehr imponierend in der man sich schon mal sehr winzig vorkommen kann. Ehr belustigend empfand ich jedoch die bizarren Bergformationen der "Monkey Fingers" - Affenfinger. Kuriose Verformungen der Berge lassen einen schmunzeln und Gehirn- oder Affenbilder im Kopf entstehen. Von den Bergen aus hat man einen wunderbaren Blick auf die Oasenstädte mit ihren vielen Obst- und Feigenbäumen. Im Todratal oder in den Schluchten lohnen sich ausgedehnte Wanderungen und Kletteraktivitäten. Man sagt es wäre mit das beste Klettergebiet in ganz Marokko.


Klettern in Todra - Deutsch from monoelemento on Vimeo.


Nach diesen großartigen Eindrücken kehrten wir am spätem Nachmittag ins Hotel ein, welches direkt im Dades Gorges (Dadestal) liegt.  Die Gebirgskette gehört zum Hohen-Atlas,  in der es einige Berberdörfer gibt und somit die Region sehr attraktiv für seine Besucher macht. Kleiner Tipp, packe einen Pullover ein ! Wenn  hier die Sonne hinter den Bergen versinkt, wird es kühl und die Temperaturen können in der Nacht oder am frühen Morgen auf 5 Grad sinken. 

Nun ist es auch schon wieder so weit, nach einer ruhigen Nacht und nachdem die Sonne über die Felskante lunzte machten wir uns auf den Weg zurück nach Marrakesch.  Dabei fuhren wir noch einen kleinen Abstecher nach Ouarzazate. Hier fallen uns die Schilder der ansässigen Filmindustrie, darunter die der Atlas Corporation Studios, ins Auge. Die besten Streifen die hier gedreht wurden sind: zahlreiche Bibel- und Monumentalverfilmungen,  Game of Thrones, Gladiator, Die Bibel – Josef, das Jesus Video, die Päpstin und der Medicus. Beeindruckend war darüber hinaus die aus Lehm gebaute Kasbah Taourirt am östlichen Stadtrand von Ouarzazate. 








Schlussendlich kamen wir mit tausenden von Eindrücken in Marrakesch an und waren sehr Dankbar für all das Gesehene. Eine Reise quer durchs halbe Land - Einfach wunderbar !

Christlicher Exkurs:

Marokko ist ein muslimisches Land in dem es bis heute verboten ist, christliches Gedankengut zu verbreiten. Kleine Hauskirchen werden selten, jedoch zähneknirschend und stilschweigend geduldte, wenn sie andere Menschen nicht mit dem Christentum konfrontieren. Das heisst, öffentlich darf keiner seinen Glauben bekunden. Es gibt wenige, kleine Gemeinden im Land, deren Adressen zu ihrem Schutz aber nicht veröffentlicht werden.

Gottes Segen für Marokko!


Unsere Tipps

 
  • Gute Kleidung - warme und luftige Anziehsachen zugleich (aber nicht offene Sachen - da islamisches Land) 
  • Essen: Tajine, Schnecken, Couscous. Empfehlung zum Frühstück-  einen Sfenj ( ist ein marrokanischer Donut )
  • Willst Du die Wüste günstig bereisen, dann buche eine Tour in Marrakesch mit den dortigen Tourbussen oder reise eigenständig mit Öffentlichen Verkehrsmitteln an. 
  • Etwas teurer und relaxter bzw. Mehrtagestouren kannst Du im 4x4 Jeep hier buchen.
  • Hab in Deinen Taschen immer ein paar Bonbons oder Stifte für die Kinder mit dabei
  • Reiseführer für Alle die Marokko auf eigene Faust erkunden wollen ! (Ein bissel teurer ab sehr Gut!) Oder ansonsten einen bewehrten Begleiteter wie dem Lonely Planet einstecken.
  • Klasse Hotels & Riads in Ait Ben Haddou, Merzouga, Ouarzazate, Zagora und Marrakesch

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