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Leben, lieben und arbeiten in Tansania – egal ob als Reisende, Freiwillige oder PraktikantIn


 
Hi, ich bin Tizia und heute möchte ich über mein Leben in Tansania erzählen, wie ich hierhin gekommen bin und was ich hier mache.

Aber fangen wir ganz von vorne an:

Im Herbst 2009,  ein halbes Jahr vor meinen Abiturprüfungen, drehten sich die Gespräche in der Schule eigentlich immer nur um ein Thema: Was soll ich nach dem Abi nur machen?
Arbeiten? Aber was? Studieren? Welches Fach? Oder sollte ich doch was ganz anderes machen?

Irgendwann in dieser Zeit unterhielten sich zwei Freundinnen von mir darüber, dass sie sich bei „Weltwärts“ beworben hätten.

Ein Jahr ins Ausland, das wäre es doch! Nur wohin? Die Welt ist groß und „Weltwärts“, das Programm vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ermöglicht die Arbeit in vielen Ländern Asiens, Afrikas, Lateinamerikas, Ozeaniens und Osteuropas. Eine Vorauswahl war schnell getroffen: Ich wollte nach Afrika, spreche ich doch Englisch und Französisch und nach 13 Jahren Schule und Lernen wollte ich mich nicht auch noch mit einer weiteren Fremdsprache anfreunden müssen.
Gesagt - getan, ich durchforstete die Weltwärtswebseite nach spannenden Projekten und Organisationen, schrieb ca. sechs Bewerbungen und bekam im Januar 2010 einen Platz bei IN VIA, was dem katholischen Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit angehört und mich einlud in einem Kindergarten in Dar es Salaam, Tansanias größter Stadt, zu arbeiten.

Mitte August ging das Abenteuer los. Mit zwei Koffer und gar nicht so vielen Vorstellungen und Erwartungen zog ich mit einer Mitfreiwilligen bei den Sister of Maria Immaculata in ein Kloster ein. 




Ein Kloster in Tansania ist nicht dass, was man sich vielleicht vorstellt, wenn man deutsche Klöster kennt. Es war eigentlich einfach nur ein ganz normales Haus, an das eine Kapelle angeschlossen war. Meine Mitfreiwillige, nennen wir sie Lena und ich bekamen zwei Zimmer zugeteilt, ein Schlaf- und ein Wohnzimmer. Wir wurden in die Arbeit im Kindergarten eingeführt und schon gings los. Ich bekam meine eigene Klasse und sollte unterrichten. Ich wäre doch schließlich Weiß, ich wüsste doch wie das geht. Da stand ich also mit meinen 18 Jahren vor knapp 20 Windelkindern mit dem Stock in der Hand und sollte Englisch unterrichten. Wie das ausgegangen ist, könnt ihr euch sicherlich vorstellen, denn ich bin nicht die Einzige, die folgende Erfahrungen gemacht hat: Die Kinder konnten noch nicht mal ihre Muttersprache Kisuaheli, aber Englisch sollten sie schon lernen. Die Kinder haben mir kaum Respekt und Aufmerksamkeit entgegen gebracht, da ich den Stock nicht ein einziges Mal zum Schlagen eingesetzt habe. Die Arbeit im Kindergarten war größtenteils frustrierend, da die Schwestern und Erzieherinnen die Kinder schlugen und das mit dem wie ich aufgewachsen bin, nicht vereinbar ist. Gebasteltes wurde zerrissen und weggeschmissen,​ nicht dass die Eltern so etwas sehen und denken ihre Kinder würden hier nichts lernen!

 


Mal- und Spielstunden mittwochs und freitags mussten hart erkämpft werden. Dennoch gab es täglich auch viele tolle Erlebnisse: Die Arbeit mit den Kindern hat Spaß gemacht und das was ich anfangs so abgelehnt habe, eine neue Sprache zu lernen fing an mir mehr und mehr Spaß zu bereiten. Das Verhältnis zu meiner Mitfreiwilligen war okay, es ist schon nicht einfach ein Jahr keine Privatsphäre zu haben und keinen Meter Abstand zwischen den Betten, aber ich denke wir haben uns ganz gut durchgeschlagen.  Alles in allem war dieses Freiwillige Jahr eines der besten Entscheidungen meines Lebens und hat mein komplettes weiteres Leben zu 100 % beeinflusst.



Denn im April 2011 ging die ganze Zukunftsplanerei wieder von vorne los: Was soll ich nach diesem Jahr, wenn ich wieder zurück in Deutschland bin machen?
Eines Tages traf ich einen deutschen Studenten im Bus. Wir kamen ins Gespräch und nachdem ich mich vorstellt und erzählt habe, was ich hier mache, erklärte er mir, dass er Ethnologie studiere und grade eine Feldforschung über Seifenopern im tansanischen Fernsehen durchführe. Ich war hin und weg: Studieren und dabei reisen zu können? Was ein Traum! Zuhause informierte ich mich sofort mehr über dieses Studiengang und mein Herz fing kräftig an zu schlagen. Das war es, genau das wollte ich studieren. Das und nichts anderes! Ich bewarb mich darauf hin bei verschiedenen Universitäten und bekam einen Platz in Göttingen. In meinem Studium war es Pflicht eine außereuropäische Sprache zu lernen und sogar Kisuaheli gab es im Angebot. Was ein Glück! Und es bestand die Option im 5. Semester ein Auslandssemester zu machen. Eine Chance, die ich mir nicht entgehen lassen wollte. Da ich am Kisuahelisprachkurs teilnahm bot es sich natürlich an, das Auslandssemester in Ostafrika zu verbringen. Die Universität Göttingen unterhält eine Partnerschaft mit der Universität in Dar es Salaam, also ging es zurück in die zweite Heimat. Ich war anfangs enttäuscht, wollte ich doch lieber mehr von der Welt sehen, als zu dem Ort zurück zu kehren, an dem ich bereits ein Jahr verbracht hatte. Aber so war es nun mal.


 
Die Koffer wurden wieder mal gepackt und sich von FreundInnen und der Familie verabschiedet. Ab August 2013 standen acht Monate Tansania an. Nach einer Woche Dar es Salaam zog es mich für ein einmonatiges Praktikum bei einer NGO nach Arusha in den Norden Tansanias. Über Freunde lernte ich Tini, meinen heutigen Mann kennen. Wir verbrachten tolle acht Monate miteinander, in denen ich mehr reiste als studierte und am Ende der Zeit war klar: Ich komme wieder.

Und ein weiteren Teil bekam einen hohen Stellenwert in meinem Leben: Die Auseinandersetzung mit (Afrika-)Stereotypen und Rassismus. Ich war schon immer sensibilisiert für Ungerechtigkeiten auf der Welt und diese Themen berührten mich besonders. So war es verständlich, dass ich auch meine Bachelorarbeit in diesen Bereich ansiedeln wollte. Ich schreib über die Maasai, die wohl bekannteste Ethnie Afrikas. Meine Arbeit hatte den Titel: Wem nützen Stereotype? Darstellungen der Maasai in Medien und Tourismus. Diese Arbeit und den Kampf gegen Stereotype und Rassismus wollte ich in Tansania weiterführen. Ich beendete mein Studium innerhalb einen Jahres und zog am 01.04.2015 zu Tini nach Arusha. Im Nachhinein war dies ein sehr mutiger Schritt. Zum einen hatten wir uns ein Jahr lang nicht gesehen, zum anderen hatte ich keine Arbeit. Ich hatte versucht von Deutschland aus Arbeit zu finden, aber dies hatte sich als sehr schwierig gestaltet. In Arusha angekommen erfuhr ich, dass bei einer kirchlichen Freiwilligenorganisation eine Stelle im Bereich Kommunikation als Freiwilligenkoordinatorin frei geworden ist. Ich zögerte nicht lange, fuhr zum Büro und bekam prompt den Job. In dem halben Jahr in dem ich für die Freiwilligenorganisation gearbeitet habe, habe ich vieles gelernt, was mir bei meiner heutigen Selbstständigkeit sehr hilfreich ist. Weitere drei Monate verbrachte ich als Internet Marketing Koordinatorin bei einer Firma in Moshi, für die ich vor allem einen bekannten deutschsprachigen Reiseführer überarbeitete.



Dennoch waren beide Tätigkeiten nicht sehr zufriedenstellend, denn die Arbeitstage waren lang, der Lohn niedrig und bei einer der Arbeitsstellen gab große Schwierigkeiten eine Arbeitserlaubnis und eine Vertrag zu bekommen. Somit sahen Tini und ich nur einen Ausweg: Die Selbstständigkeit.
Seitdem ich nach Arusha gezogen war, haben Tini und ich Zimmer in unserem Haus vermietet. Dadurch entstand nach kurzer Zeit das Nyumbani Hostel („Nyumbani“ ist Kisuaheli und bedeutet „zu Hause“). Von Anfang an haben wir nicht nur Urlaub (Tagesausflüge, Safaris und Bergbesteigungen) angeboten, sondern auch interessierten Personen dabei geholfen Projekte für Freiwilligenarbeit und Praktika zu finden. Ende letzten Jahres wollten wir professioneller werden und haben unsere Organisation für Freiwilligenarbeit und Praktika Viva Tanzania ins Leben gerufen. Wir haben diese Organisation zum einen gegründet, da wir einen großen Bedarf am interkulturellem Austausch sehen und Menschen die Helfen wollen, in verschiedene Projekte und Institutionen zu führen. Auf der anderen Seite ist die Nachfrage nach bezahlbarer Projektvermittlung und sehr guter Inlandsbetreuung riesig. Wir tun alles um dies sicherzustellen, auch bspw. aufgrund meiner eher dürftigen Erfahrung als Freiwillige.
Mittlerweile lebe ich seit drei Jahren in Tansania. Ich weiß sehr genau, was es bedeutet in einer total anderen Kultur und Umgebung zu leben, sodass ich eine gute Beraterin für die Freiwilligen und PraktikantInnen bin. Zur gleichen Zeit tun wir alles dafür, dass unsere TeilnehmerInnen eine gute Zeit haben und wertvolle Arbeit leisten können. 





Unsere Preise sind kostengünstig und die Vorbereitung der TeilnehmerInnen hervorragend, legen wir doch, wie bereits beschrieben großen Wert auf die kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Denkmustern und Vorstellungen. Auch leben wir gemeinsam mit den Freiwilligen und PraktikantInnen, essen zusammen zu Abend, unternehmen miteinander Ausflüge am Wochenende und vieles mehr.




Den Freiwilligen bieten wir die Mitarbeit in Kindergärten, Grundschulen, Frauenprojekten, im Bereich Gesundheit und Tierschutz an. Weitere Projekte, wie die Arbeit mit Straßenkinder und HIV-Infizieren und Aidskranken sollen bald folgen.




Im Februar 2016 haben Tini und ich geheiratet und ich mag das Leben in Tansania sehr. Mit unseren drei Hunden, Bella, Takwa und Luna leben wir gemeinsam mit unseren Gästen, und ich genieße diesen internationalen Austausch sehr. Natürlich ist das Leben hier und da auch nicht immer einfach. Manchmal haben wir keinen Strom, im Moment gibt es aufgrund von neuer Importgesetze keinen Zucker mehr im Laden zu kaufen und egal wie sehr du dich anpassen möchtest, du bleibst immer die Ausländerin und Fremde, weil du schon von weitem optisch als solche zu erkennen bist. Dennoch fühle ich mich hier freier, kann mit meiner Familie lebe und der Arbeit nachgehen, die mir wirklich Spaß macht: Unseren Gästen, Freiwilligen und PraktikantInnen das Land und die Kultur näherbringen in der ich lebe und die ich so liebe.



 

Wenn auch Du teil diese Gemeinschaft werden möchtest, egal ob als UrlauberIn, Reisende, für ein Praktikum, Freiwilligenarbeit oder alles andere, dann melde Dich bei uns!
Wir freuen uns Dich kennen zu lernen!


Hostel: info@nyumbani-hostel.com, http://www.nyumbani-hostel.com/, auf Facebook und TripAdvisor
Freiwilligenarbeit & Praktika: info@viva-tanzania.com, http://www.viva-tanzania.com/ und auf Facebook. Ich bin auch per Skype unter „Viva Tanzania“ und per Whatsapp unter +255686490500 jederzeit erreichbar.

Besuche das Hostel von Viva Tansania




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